Brandy

Kunst, Genuss, Handwerk, Tradition und Qualität – dafür steht spanische Brandy-Herstellung. Der Ursprungsort: Jerez de la Frontera in Andalusien, wo bereits 1886 der erste charakteristische Brandy entstand. Ein Jahrhundert zuvor, 1772, legte der Engländer Thomas Osborne Mann in Spanien die Grundsteine seines Familienbetriebs, das heute seinen Stammsitz in El Puerto de Santa María hat.

Der Wein

Die Brandydestillation basiert auf ausgesuchten Weinen, die aus Trauben der Airen Reben aus der Mancha-Region gekeltert und gegoren werden. Diese Weine werden in der Osborne-eigenen Destillerie in Tomelloso zu sogenannten "Holandas" und "Destilados" gebrannt. Später werden diese je nach Qualitätsstufe und Geschmacksprofil in unterschiedlicher Zusammensetzung geblendet.

Die Destillation I

Für höherwertige Brandys und Spirituosen: Die Destillation in Kupferkesseln.

Die „Holandas“ werden nach einem Verfahren hergestellt, das schon die Araber im Mittelalter verwendeten: Der kräftige Grundwein wird in "Alquitaras", mit Eichenholz befeuerten Kupferkesseln, manuell destilliert. Die Kunst des Brennmeisters besteht darin, das besonders hochwertige, reine Herzstück der Destillation für den späteren Brandy herauszufiltern. Die Holandas erreichen ein tiefes Aroma, da sie auf niedriger Temperatur bis maximal 70% vol. destilliert werden.

Die Destillation II

Für klassische Brandys und Spirituosen: die Destillation in Kolumnen-Verfahren.

Die höherprozentigen Destilados sind weniger aromatisch, dienen im Blend aber als unverzichtbarer Aromentransporteur und gleichen den intensiven Geschmack der Holandas aus. Destilados werden in kontinuierlich befeuerten Säulenbrennanlagen auf eine Grädigkeit zwischen 86-96% vol. gebracht. Holandas und Destilados werden schließlich zum Brandy geblendet – zu welchen Teilen sie gemischt werden, hängt von ihrem Charakter und ihrer Qualität ab. Allgemein gilt: Je größer der Anteil an Holandas, desto höher die Qualität des Brandys.

Die Reife

Die Reife in Eichenholzfässern: Der Brandy reift in der historischen Bodega "El Tiro" in El Puerto de Santa María, eine der sogenannten "Kathedralen des Weines". Unter den hohen Dächern und weiten Bögen sieht es im dämmrigen Licht der kleinen Fenster aus, als lagerten die Brandy-Fässer in einem Kirchenschiff. Hier herrscht ein Mikroklima, das den Reifungsprozess ideal unterstützt. Heiße Luft entsteigt zur hohen Decke und selbst im andalusischen Sommer bleibt es hinter den tiefen Mauern kühl. Zusätzlich profitiert die Anlage von den beständigen Winden Levante und Poniente, die eine salzhaltige Luft mit sich bringen.

Das Solera-System

In der Herstellung und Lagerung unterscheidet sich Brandy de Jerez völlig von den Branntweinen anderer Länder. Kennzeichnend für den spanischen Brandy ist  die Reifung im traditionellen „Solera“ – Verfahren unter idealen mikroklimatischen Bedingungen. Die Reifung basiert auf einer regelmäßigen Vermischung der Destillate aus übereinanderliegenden Reihen alter Sherry-Fässer, in denen die Destillate ruhen und sich entwickeln.

Die oberen Reihen heißen "Criaderas", nur die unterste Fassreihe nennt sich "Solera" (deutsch: am Boden liegend). Sie enthält das älteste Destillat. Wenn seine Reifung abgeschlossen ist, entnimmt der Kellermeister ca. 1/3 des Fassinhalts. Die nun fehlende Menge in der Solera-Reihe wird aus der darüber liegenden Fassreihe nachgefüllt. Stufenweise wird so mit den jeweiligen Fassreihen verfahren, bis die letzte Criadera wieder mit jungem Destillat aufgefüllt werden kann.

Einzigartige Reifung

Wenn man das oberste zuunterst mischt, entsteht oft Chaos – hier dagegen eine Fülle von Geschmack. Der Kontakt mit den Fässern aus amerikanischer Eiche, in denen vorher jahrzehntelang Sherry lagerte, wirkt sich prägend auf den Brandy aus. Die Sherrynoten, die nach vielen Jahren der Lagerung tief in dem Holz der Fässer stecken, verleiht dem Brandy seine charakteristische Farbe und den komplexen Geschmack.

Brandy De Jerez

Jene Brandys, die im geographischen Dreieck der drei Städte Jerez de la Frontera, Sanlucar de Barrameda und El Puerto de Santa Maria hergestellt werden, fallen unter eine geschützte Herkunftsbezeichnung: "Brandy de Jerez". Ein spezieller Kontrollrat, der "Consejo Regulador", wacht darüber, dass die gesetzlichen Anforderungen beachtet werden. Anspruchsvolle Vorschriften wie die Reifung im Solera-System und Mindestreifezeiten sichern höchste Qualität, lassen aber Spielraum für Individualität.

Qualitätstufen

„Solera“: Um so genannt zu werden, ist eine Lagerung von mindestens sechs Monaten vorgeschrieben. Sie haben eine bernstein- bis goldgelbe Farbe, sind schön leicht und besitzen einen frischen Weingeschmack.

Brandys der Qualitätsstufe „Solera Reserva“ müssen mindestens zwölf Monate im Solera-System gereift sein.

Dadurch erhalten sie ein besonders ausgewogenes und mildes Aroma.

„Solera Gran Reserva“: Für diese höchste Güteklasse sind 36 Monate Lagerzeit in Fässern vorgeschrieben. Conde de Osborne und Carlos I übertreffen deutlich diese Mindestvorschriften. Die Brandys dieser Premium-Kategorie haben ein besonders komplexes Aromenspektrum.

Genuss

Die Heimat des Brandys ist die europäische Wiege der Destillationskunst: Denn die hochkultivierten Mauren, die den spanischen Süden jahrhundertelang besetzt hatten, brachten sie nach Europa. Ursprünglich zur Parfümherstellung erfunden, freundeten sich die Andalusier schnell mit der Brennkunst als Genuss für den Gaumen an. Daraus entwickelt hat sich der Brandy, der durch seine Herstellung unverwechselbar ist. Das wird im Geschmack deutlich: Im puren Konsum – besonders für länger gereifte Qualitäten – doch auch gerade Cocktails bereichern sie mit ihrer Aromenvielfalt. Pur genossen sollte das Brandy-Glas nicht erwärmt werden, gegen das Temperieren durch die Hand ist jedoch nichts einzuwenden.